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Werkzeug ist wichtig!
..und hat den Menschen erst groß gemacht.
Während sich Wölfe und Hängebauchschweine noch auf allen Vieren bewegen kann der Mensch bereits aufrechten Ganges mit dem Fingernagel des rechten Zeigefingers an seinem linken Handgelenk in die kleine Vertiefung der Digital-Armbanduhr drücken um die Sommerzeit einzustellen und sich anschließend mit seinen Freunden zum Grillen treffen..
Werkzeug ist traditionell Männerspielzeug
Es unterstützt uns auf praktische Weise bei den Aufgaben des Alltags und macht viele moderne Dinge - die auch Frauen zu schätzen wissen (z.B. die Trockenhaube) - überhaupt erst möglich.
Eine gute Partnerin respektiert daher das Shopping-Bedürftnis im Eisenwarenladen und stellt ihre Wünsche an Schuhe in denen sie weder laufen, geschweige denn jagen kann getreu zurück, nach dem Motto: Wenn das Haushaltsgeld schon für Werkzeug draufgegangen ist können wir ohnehin nicht mehr schick ausgehen..
Außerdem stellt sie keine unqualifizierten Fragen wie: 'Wozu brauchen wir einen 400Nm Drehmoment Pneumatik-Schlagschrauber der allenfalls dazu geeignet wäre bei einem Panzer die garstigen Winterketten gegen die schmucken Alu-Ketten für den Sommer zu wechseln' - Wir brauchen den einfach!
Qualität
Natürlich hat der Handwerker gegenüber dem semi-professionellen Heimwerker einen anderen Anspruch an die Zuverlässigkeit seines Arbeitsgerätes.
Er wird seinen Bohrhammer vermutlich nicht im Baumarkt kaufen, sondern in einem Fachgeschäft seiner Zunft.
Bei einem Handfeger oder einer Abdeckplane wird er evtl. eine Ausnahme machen.
Aber um seine Arbeit solide und zügig erledigen zu können muss das Werkzeug von entsprechender Güte sein.

Mit diesem Eisensägeblatt der Firma 'MEISTER' ließ sich nicht einmal ein rostiger Nagel an einem Holzpfahl durchsägen.
Es ist zwar nicht alles Schund, aber bei folgenden Marken sollte man meiner Meinung nach nicht zu viel erwarten:
T.I.P, bUDGET, MEISTER, Einhell, Schneider, Mannesmann ...
Auch einige namenhafte Hersteller haben das Geschäft mit der Heimwerkerei für sich entdeckt und bieten dafür eigene Serien an.
Das reicht von BOSCH, die eine Farbe zur Unterscheidung wählen (blau für Profis, grün für Heimwerker) über Hersteller mit zwei verschiedenen Labels bis hin zu Jenen, die eine Unterscheidung ihrer Profi- und Billiggeräte nur noch über die Seriennummern erlauben (z.B. Steinel Heiß- Luft-/Klebe-Pistolen).
Dabei ist gutes Werkzeug keinesfalls übertrieben teuer:
Für nur unwesentlich mehr Geld bekommt man häufig schon wesentlich mehr Leistung. Und über die Zeitersparnis durch anständiges Werkzeug kann man sich auch freuen.
Ständig stumpfe Bohrer/Sägeblätter oder durchgebrannte Motorwindungen kosten schließlich nicht nur Zeit und Nerven sondern häufig auch die Neu-Anschaffung.
Von dem Verletzungsrisiko durch billig Geräte mal ganz zu schweigen:
Vorsicht bei halb ausgerissenen Kabeln, losen Verbindungen bei schnell rotierenden Teilen, scharfen Kanten an gegossenen Werkzeuggriffen und abblätternden Metallsplittern von pseudo verchromtem Werkzeug.
Wer hier knausert, spart am falschen Ende.
Tips
Die Watt-Angabe auf elektrischen Maschinen ist Tinnef!
Ein Motor-Anker mit weniger Windungen zieht wohlmöglich wirklich 1000W aus der Steckdose und setzt diese dann beim 'steckenbleiben' in Wärmeenergie um. Populäres Beispiel: Winkelschleifer. Feste an das zu schneidende Material gedrückt geht die Drehzahl in den Keller und das Teil erhitzt sich bis zum Exitus.
Bei Kunststoffen gibt es erhebliche Unterschiede in der Qualität, besonders hinsichtlich der Schlagzähigkeit:
Ein fester poröser Kunststoff bricht nicht nur bei derberen Stößen, sondern wird auch schon durch Hitze und UV-Licht spröde. Gute Kunststoffe hingegen können großer mechanischer Beanspruchung widerstehen und sind längst nicht so temperatur empfindlich.
Speziell hinweisen möchte ich noch auf die beliebten Tricks mit Weichmachern in Kunststoffen: Hier erscheint der Gummierte Griff rutschfest, das 'Gummi'-Kabel hoch-flexibel, die Schaumstoff-Dichtung geschmeidig und das Klapp-Scharnier am Werkzeugkoffer robust. ABER nach wenigen Monaten werden diese Teile brüchig, reißen, brechen und oder lösen sich auf.
Ähnliches gilt für eingeölte Zangen aus Metall, die nach kurzer Zeit rosten und schwer-gängig werden.
Bei Metallteilen kann man sich schon mal ganz gut an folgendem orientieren:
Ist das Werkstück gegossen, findet sich ganz sicher irgendwo eine umlaufende Naht. Diese ist oft scharfkantig und das gesamte Werkzeug höchst bruchgefährdet.
Dem Maulschlüsselsatz von 8 bis 28 für 5 Euro sollte man also schon mit Mißtrauen begegnen.
Richtig gute Metallwaren sind geschmiedet, gedreht oder gezogen. Hier ist sicher keine Naht zu erkennen, höchstens viele feine Rillen die für ein Präzisions Werkstück sprechen. Auch die unpräzise Oberfläche kann auf ein gutes Werkstück hindeuten: Ein gehärtetes Metall-Teil hat zwar eine glatte Oberfläche, kann aber insgesammt ein Wölbung aufweisen. Hier wird häufig nur der wichtige Teil nachträglich plan geschliffen.
Richtig fiese Verletzungen zieht man sich zu, wenn die oberflächliche 'Chrom' Schicht eines Billig-Werkzeugs abblettert und man sich daran schneidet. Offensichtlich wird Glanz noch immer für etwas besonders Edles gehalten.
Hohe Oberflächengüte haben Werkzeuge mit Pulverbeschichtung oder allgemein eingebranntem Lack. Hier werden selbst Macken durch Stürze nicht zu scharfkantigem Ungemach.
Wer also schon auf eine kompetente Beratung im Eisenwarenladen verzichtet und lieber im Baumarkt ein Schnäppchen für das einmalige Werkeln machen möchte sollte einfach folgende Kriterien im Hinterkopf haben:
- Das Gewicht: schwer bedeutet meistens massiv und damit auch gut.
- Die Leistungsangabe: hohe Wattzahlen garantieren keine hohe Leistung.
- Formgebung des Metalls: gegossenes mit körniger Oberfläche und sichtbarer Naht taugt nicht viel.
- Plastikteile: leichte Kunststoffe mit glatten Oberflächen, die beim Klopfen mit dem Fingernagel einen hohen Ton erzeugen werden schnell brechen. Matte, schwere Kunststoffe mit dumpfem Ton sind meist besser.
- Bewegliche Teile (Scharniere, Gelenke, u.s.w.) sollten wenn möglich auf Spielfreiheit geprüft werden. Auch ein 'weiches' Gefühl an den Anschlägen kann grade bei Zangen ein Zeichen für spätere Schwergängigkeit sein, wenn das Öl erstmal runter ist.
- Spanabhebende Verschleißteile: Hier deuten bläuliche Verfärbungen auf thermisch gehärtetes und parallele Riefen auf geschliffenes Metall hin; das ist gut!
Abschließend noch ein Hinweis: Tolle Namen wie Chrome-Vanadium oder Titan-Kompositionen sind Schall und Rauch. Sie bedeuten gar nichts!
Und die wenigsten Profi-Werkzeuge haben ein Display, eine Uhr oder ein eingebautes Radio...
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