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 Tourbericht Finnland  (Last Update: 24.6.2006 16:03)

Bild Über Sylvester 2002/2003 sollte es nach Finnland gehen. Wir sind mit 10 Leuten und 3 Autos am 2. Weihnachtstag aufgebrochen und waren am 6. Januar alle wieder wohlbehalten zu Hause. Es war eine wirklich schöne Tour. Hier ist mein Tourbericht: ( Fotos gibt's auch )

Die Gruppe
Eine bunt gemischte Gruppe hat sich entschlossen über Sylvester nach Finnland zu fahren um dort einen Urlaub zu verbringen.
Kurz vor Weihnachten stand dann auch fest wer nun wirklich mitkam:
Bild Marc aus Dortmund
Alex aus Bochum
Karsten aus Bochum
Martin aus Bochum
Steffi aus Mönchengladbach
Kai aus Bochum
Thomas aus Dortmund
Katrin aus Jena
Da aus Münster
und Sonja aus Bonn


So haben wir uns dann auch für die Variante mit 3 Autos zu fahren entschieden.

Reiseziel
Bild Da den Eltern von Sonja eine kleine (170m) Insel gehört, stand das Ziel unserer Reise eigentlich auch schon fest: Stören, bei Biskopsö in der Nähe von Dalsbruk.
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Eigenbau eines Propellerschlittens
Das erste Problem mit einer solchen Insel ist die Tatsache, dass sie von Wasser umgeben ist. Dieses würde sich in Finnland zu Weihnachten aber nicht unbedingt in einem durchgängig flüssigen Zustand befinden. Somit schied die Überquehrung mit einem Boot aus. Es stellte sich dann die Frage, ob das Eis denn auch dick genug sein würde um es sicheren Fusses überquehren zu können. Im ungünstigsten Fall wäre es nur dünn zugefrohren gewesen was mich zu dem Entschluss führte ein Gefährt zu bauen, das diesen Umständen gewachsen sein würde. Es sollte eine Art Boot sein, dass sowohl über Eis rutschen, als auch im Wasser zu schwimmen vermochte. Soweit noch eine einfache Sache. Aber wie sollte man es fortbewegen? Ohne Schwert und Ruder bzw. Aussenbordmotor? Auf Wind fürs segeln wollte ich mich nicht verlassen. Die zuverlässigste Metode wäre seinen eigenen Wind zu generieren - und so wurde es schliesslich auch gemacht: Ein Katamaran mit Propellerantrieb.
Bild Dieser Propellerschlitten bedurfte noch einiger Modifikationen bevor er benutzbar war: Segel, Schwert und Finne wurden nicht benötigt und blieben daheim. Unter die Schwimmer sollten Kufen um auf dem Eis auch die Spur halten zu können. Diese haben Karsten und ich dann am heiligen Abend aus Skiern, ein paar Holzpaletten und den Seitenteilen, sowie dem Lattenrost aus meinem alten Bett gebaut.
Der Motor der zum Einsatz kommen sollte war ursprünglich für Ultraleichtflugzeuge oder zum Gleitschirmfliegen gedacht. Leider war der Propeller von einem mißglückten Flugversuch zerstört und es musste in der Weihnachtszeit noch ein neuer besorgt werden. Nach etlichen Umständen die auch die Nachbarn eines unbeteiligten Freundes mit einbezogen (sie haben das Teil aus Jena ins Ruhrgebiet transportiert), hatten wir in letzter Minute dann doch noch alle Teile zusammen. Leider reichte die Zeit nicht für einen Probelauf - das würden wir dann vor Ort sehen (siehe Irrfahrt mit dem Propellerschlitten weiter unten).
Weihnachten kam dann aus Finnland eine SMS in der stand, dass die See recht dick zugefrohren sei und schon Eisbrecher die Fahrrinnen freibrächen. Also wurden die Schwimmer zu Hause gelassen, womit - meiner Meinung nach - der Vorteil des Gefährtes dahin war.
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Hinfahrt
Wir wollten mit eigenen PKW fahren und Autofähren benutzen. Womit sich bereits die Frage stellte wieviele PKW wir nehmen würden. Es standen 3 zur Verfügung: Karsten's SEAT Marbella (baugleich FIAT Panda), Kai's Daihatsu Charade und mein neuer Daihatsu Terios. Unterbringen hätten wir auch alles in 2 Fahrzeugen können; was den dritten PKW redundant gemacht hätte. Schliesslich entschieden wir uns für die komfortablere und sicherere Lösung und fuhren mit 3 Autos.
Wichtig war dann noch, dass alle PKW mit Winterreifen oder wenigstens mit Ganzjahresreifen mit M+S Kennung ausgestattet waren - dies verlangten die Skandinavischen Spielregeln. Eine "Schneeketten-bei-sich-führ-Pflicht" war derzeit nicht bekannt. Also kaufte ich mir noch einen Satz Winterreifen, Karsten ging (am 24.12. noch) zum Autoverwerter seines Vertrauens und Kai kaufte dem Neffen meines derzeitigen Arbeitgebers noch ein paar M+S Reifen ab.
Bild
Los ging's dann am 26.12.2002 Mittags von Bochum aus Richtung Norden. Unterwegs wurden noch die letzten, aus Jena getrampten an der Autobahn eingesammelt. Dann, nach 5 Stunden erreichten wir Puttgarden (Insel Fehmarn), von wo wir mit der Fähre nach Rödby (Dänemark) übersetzten. Die Tickets für die Hinreise hatte ich zuvor nach einer ausgedehnten Telefonaktion (Namen und Geb. aller Fahrgäste) besorgt.
Um möglichst günstig zwischen Weihnachten und dem Wochenende zu buchen, standen wir etwas unter Zeitdruck. Nach 45min Fähre und den Verladezeiten lagen 2 Std. Nachtfahrt durch Dänemark Richtung Helsingör vor uns. Ich weiß gar nicht mehr, ob es hier schon einen Fahrerwechsel gegeben hat.
Von Helsingör brauchte die Fähre nur knapp 20 min. nach Helsingborg (Schweden). Den Tunnel zu benutzen, das sei an dieser Stelle noch erwähnt, wäre wesentlich teurer gekommen. Wir haben das Kombi-Ticket von Vikingline für die 3 Fähren genommen. Das kostete für 3 PKW mit bis zu 5 Personen pro Wagen insgesammt 351 Euro. Ich möchte noch hinzufügen, daß weder Dänemark noch Schweden die Euro Währung haben.
Dann folgte die Nachtfahrt durch Schweden bis Stockholm. Diese Strecke misst ungefähr 600km und ich habe 7 Stunden dafür in meiner Planung veranschlagt. Ich würde aber Jedem hier empfehlen min 8 Std. einzukalkulieren!
Von Stockholm aus ging es am 27.12. um 8 Uhr morgens los mit der Fähre Richtung Turku (Finnland) - mit kurzem Zwischenstop auf Marihamn. Für diese Strecke von 270 Kilometern durch untiefes Gewässer mit vielen Hindernissen benötigt die Fähre 12 Stunden. Erst um 20 Uhr abends kamen wir im Hafen von Turu (Finnisch: Abo) an. Bild Von dort aus fuhren wir noch 4 Stunden gemütlich nach Dalsbruk (Fin. Taalintehdas), wo wir uns mit Sonja trafen. Sie hatte Weihnachten bei ihren Eltern in Finnland verbracht. Somit waren wir auch endlich komplett, und wir hatten auch noch einen Dolmetscher. Da bei weitem nicht alle Finnen deutsch, geschweigen denn englisch sprechen war das auch sehr praktisch.
Im Hafen von Dalsbruk haben wir dann zunächst alles Gepäck ausgeladen und uns den Witterungsbedingungen entsprechend umgezogen bzw. wärmer eingepackt.
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Die Irrfahrt
Ein Fischer hat unser Gepäck in einem kleinen Boot hinter seiner Schneekatze (Motorschlitten mit Kettenantrieb) zur 3 km entfernten Insel "Stören" gebracht. Alex, die ein wenig durchgefrohren war und meine Wenigkeit sind noch mitgefahren. Alex sollte schon mal die Hütte auf der Insel inspizieren und evtl. Feuer machen. Ich bin wieder mit zurück zum Festland gefahren und habe den Weg mit dem GPS geloggt, um ihn später leicht wiederfinden zu können. Zudem hat das Eis ja auch die Schneekatze getragen - und es war nicht überall dick genug.
Wieder in Dalsbruk angekommen habe ich dann Detail-Karten und einen Kompass an die Übrigen verteilt. Die Gruppe hat sich dann zu Fuß auf den 3 km langen Weg über das Eis gemacht. Es war zwar dunkel, aber es hatte zu der Zeit noch nicht geschneit.
Karsten und ich blieben bei den Autos und fingen an unseren Propellerschlitten zusammen zu bauen. Wir hatten zum Glück eine Menge Werkzeug für verschiedene Situationen mitgenommen. Ich muß Karsten wirklich Respekt zollen: während ich mir zeitweilig ein paar dicke Handschuhe über meine Wollfingerhandschuhe zog arbeite er sogar zwischendurch mit blossen Händen. Es waren ca. -25°C mit relativ geringer Luftfeuchtigkeit. Das machte es erträglich.
Irgendwann hatten wir dann alles soweit verzurrt, das Werkzeug und ein paar übrige Sachen in 2 großen Seesäcken auf dem Schlitten verstaut und das ganze Gefährt runter zum Ufer geschoben. Ein grosser Scheinwerfer von Marc wurde zusammen mit einer Auto Starterbatterie in eine Isomatte eingewickelt und vorne auf dem Schlitten mit Spanngurten befestigt. Dann kam der grosse Augenblick. Nach ein paar Versuchen sprang der Motor an. Dazu muss ich erwähnen, dass man ein Seil um die Motorachse wickeln musste und dann durch kräftiges Ziehen den Motor startete. Einen E-Starter gab's bei dem Modell nicht.
Zum Lenken hatten wir zwei Seile aussen an dem Schutzkorb des Propellers festgeknotet und den ganzen Motor schwenkbar am Mast befestigt. Bremsen hatte ich zwar eingeplant (Schlittschuhkufen) aber die lagen neben meiner ganz neuen Thermolatzhose sicher bei mir zu Hause. Tja, wer später bremst ist eben länger schnell. Jedenfalls konnte man das Gefährt aus dem Stand ganz bequem in Fahrt bringen. Allerdings ist eine Lenkung ohne automatische Mittelzentrierung die auch noch von zwei Menschen bedient werden musste nicht so furchtbar effektiv gewesen. Später hat Karsten dann einfach mit den Fingern in den Schutzkorb gegriffen und direkt gelenkt.
Nach den ersten Manövrierübungen haben wir uns dann auf den Weg zur Insel gemacht. Wir gedachten einfach der Spur zu folgen, die die Ketten der Schneekatze hinterlassen hatten. Denn anscheinend hatte im Winter kein Mensch grosses Intresse die Inseln zu besuchen. Doch verloren wir unsere Spur irgendwann und kamen einer kleinen Insel recht nahe, bei der auf dem Eis vor uns im Scheinwerferkegel eine Pfütze auftauchte. An den genauen Hergang der darauf folgte kann ich mich nicht mehr in allen Details erinnern, aber der Schlitten brach mit beiden Kufen hinten ein. Der Motor ging aus und ich war verärgert, dass wir die Schmimmer des Katamarans nicht mitgenommen hatten. Karsten, der mitlerweile den Schlitten verlassen hatte und ein Stück weiter in Richtung offene See, die dickeres Eis verhieß gerobbt war, rief mir zu ihm ein Seil zu zuwerfen. Wir hatte auch extra eins für Notfälle um den Mast gehängt. Jedoch knackte es einmal kräftig, als ich mich aufrichtete um das Seil über den Mast zu streifen. Ich warf Karsten ein Ende des Seils zu und tastete mich vorsichtig über das Eis zu ihm herüber. Dann band ich mir das Seil um und Karsen tastete sich vorsichtig mit dem anderen Ende zurück zum Schlitten um es daran festzuknoten. Wir haben den Schlitten dann geborgen und eine Weile erstmal nur hinter uns her gezogen. Jetzt, wo mir beim langsamen Fußmarsch mit Gepäck und Schlitten im Schlepptau nicht mehr der einsetzende Schnee die Sicht behinderte konnte ich auch wieder mit dem GPS navigieren. Das geht freilich erst ab einer gewissen Geschwindigkeit, da man sonst zwar seine Position, nicht aber die Richtung in die man sich bewegt sieht. Einer "analoger" Kompass half. Irgendwann haben wir dann auch wieder den Motor gestartet und sind weiter gefahren. Als wir dann einmal langsamer wurden um uns zu orientieren ging der Motor aus. Da bemerkten wir, dass wir das Anlasserseil wohl verloren haben mussten. Das war insofern tragisch, als das dieses Seil eine ganz spezielle Länge haben musste, und auch einen Knoten der genau in die Kerbe an der Achse passte. Wenn sich das Seil verhaken würde, liefe die Person, die ihre Hand in der Schlaufe hat Gefahr in den Rotor zu geraten. Wir haben trotzdem ein Provisorisches Anlasserseil geschnitzt. Mit voller Kraft ging es dann die letzten hundert Meter der Insel entgegen.
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Als wir am Ufer an kamen habe ich mich erstmal gefreut wieder "an Land" zu sein. Wir haben dann den Schlitten noch die Böschung rauf bis vor die Hütte gezogen, weil Karsten meinte er könnte geklaut werden wenn er so am Ufer rum läge. Die Anstrengung auf dem kurzen Stück ohne Jacke und Hose zu belüften hat mich dann auch gleich schwitzen lassen, was bei den Bedingnugen kein guter Zustand ist. Zu allem Überfluss klemmte seit dem auch der Reißverschluss meiner Jacke.
Als ich mich dann mal bei den anderen nach der Uhrzeit erkundigte wusste ich, dass wir 4 Stunden unterwegs gewesen waren. Für den 3 km langen Weg zu Fuß haben die Anderen nur gute 45 Minuten gebraucht. Trotzdem war der Schlitten ein voller Erfolg. Er konnte bis zu 5 Personen, 2 Seesäcke und einen grossen Wasserkanister mit ordentlicher Geschwindigkeit über's Eis transportieren. Die Skier waren für die Bedingungen ideal: eine ca 4 cm hohe Schicht Pulverschnee lag auf dem spiegelglatten Eis.
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Inselleben
In unserer Hütte loderte tagsüber immer ein kleines Feuer, welches die Temperatur im Raum auf angenehme +5°C brachte (einmal sogar +7°C !). Draussen waren es so zwischen -25°C und -28°C. Zum heizen haben wir Bäume gefällt. Erst mit der Kettensäge, dann als diese einen Kolbenfresser hatte mit der Axt. Und nachdem auch der Ast, der nach dem ersten Bruch des Axtstils als provisorium diente zum wiederholten Male abgebrochen war - wieder mit einer Kettensäge.
Bild Für die neue Kettensäge wurde mit dem Propellerschlitten eine s.g. Dienstfahrt angesetzt, die von allgemeinen Spassfahrten nur in sofern unterschieden wurde, als das sie das einzig wirklich ernsthafte Unterfangen war. Auch für Müllentsorgung in die Container hinterm Supermarkt auf dem Festland und Trinkwasserbeschaffung wurde "dienstlich" gefahren.
Von einzelnen Unternehmungen abgesehen haben wir alle gemeinsam eine ausgedehnte Wanderung zu den Nachbarinseln gemacht. Ich persönlich war von der Landschaft und der Ruhe unheimlich angetan.
Nachdem der Vergaser des Propellermotors immer öfter vereiste hat Karsten sich entschlossen mit dem Auto über das Eis zu fahren, da es seiner Meinung nach die 500Kg tragen müsste.
Bild Die Nachfrage bei den Fischern im Ort brachte keine konkreten Hinweise: "Das Eis ist sicher schon recht dick - aber ich möchte Euch nicht empfehlen drüber zu fahren". Nach allgemeiner Debatte haben wir einfach beschlossen, dass es dick genug wäre.
Bei allen Unternehmungen hatten wir täglich nur wenige Stunden Sonnenlicht, da die Sonne im Winter in Nähe der Pole nur knapp über den Horizont streicht. Dafür konnte man wunderschöne Sonnenauf- und untergänge bestaunen. Bilder dazu in der Fotosektion (Sunsets).
Unserer Unterhaltung diente lediglich ein Gesellschaftsspiel: "Kuhhandel", ein Kartenspiel, bei dem man sich gegenseitig abzockt. Ansonsten hatte auch jeder einige Zeit aufzuwenden um alle Seine Sachen zusammen zu suchen. "Hat jemand meine Handschuhe gesehen?" avancierte schnell zum Gesellschaftsspiel.
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Bild

 

Da wir Trinkwasser vom Festland geholt hatten, konnten wir auf Schneeschmelzen verzichten. Nur zum Spülen des Koch- und Essgeschirrs erhitzten wir Eiswasser.


Fortsetzung

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