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...oder warum ich nicht einfach so kochen kann, wie jeder andere auch.
Für meine neue Wohnung hatte ich eine kleine Küche incl. E-Herd günstig erstanden.
Das war eigentlich auch soweit in Ordnung.
Allerdings fehlte mir schon recht bald eine Spülmaschine.
Und so nahm das Schicksal seinen Lauf...
Ich verkaufte den kompletten Einbauherd, denn dort sollte die Spülmaschine stehen. Außerdem wollte ich sowieso immer schon ein Glaskeramik Kochfeld haben und das programmierbare Microwellen/Grill Kombigerät (SHARP R-872) liefert beim Backen ohnehin schnellere Ergebnisse.
Also hab ich mir 2 defekte Cerankochfelder vom Schrott geholt und daraus ein funktionstüchtiges gebaut.
Allerdings blieb die Frage nach der Ansteuerung, da die Knöpfe üblicherweise an den Backofen Unterteilen sitzen.
So entstand die Idee 'mal eben' eine eigene Steuerung zu bauen. Natürlich dann auch gleich mit entsprechendem nützlichen Schnick Schnack wie Display, Menüführung, automatischen Kochprogrammen und exakter Temperatur Einstellung.
Leider fehlte mir zu diesem Zeitpunkt einfach alles, was man für so ein Vorhaben benötigt und ich habe angefangen die Grundlagen anzuschaffen bzw. zu basteln: Ein Programmiergerät (Galep IV) für Mikrocontroller und alles, was man zum Platinen selber machen braucht:
Ein Aquarium mit eingeklebter Glasscheibe nebst Pumpe und Heizung bekam ich günstig in der Tierhandlung nebenan. Die haben nur komisch geguckt als ich mich nach der Säurebeständigkeit erkundigte.
Das nächste was her musste war ein UV-Belichter.
Ein ausgedienter Flachbettscanner bot sich hier an: alles raus, mit Alufolie auskleiden und 2 UV Röhren montieren. Dann noch die Ansteuerung: Der Baumarkt um die Ecke hatte grade für'n Appel und 'n Ei Leuchtstoffröhren -komplett- (also mit Halterung und Spule) im Angebot. Hab gleich 3 mitgenommen. Zwei zum Auseinandernehmen für meinen Belichter und eine für die Decke im Arbeitszimmer. Glücklicherweise befand sich noch eine mechanische Zeitschaltuhr von einem Hosenwärmer in einer meiner Schrottkisten. Der Bereich von einer halben Stunde war mit ein paar anderen Zahnrädern aus einem Spielautogetriebe schnell auf 30 Sekunden reduziert - weniger hätte das Drehmoment des kleinen Magnet-Antriebs nicht verkraftet. Fertig war nun also auch das Belichtungsgerät.
(Weitere Infos: Platinen ätzen)
Um zunächst nicht auf eine Portion Nudeln verzichten zu müssen hab ich dann erstmal übergangsweise eine Koch-Platte mit Kabel und Schalter an die nächste Steckdose angeschlossen.
Nach dem ersten erfolgreichen Herstellen einer Platine mit Triac zum Schalten von größeren Lasten (400V AC bis 12A) und Parallelport Eingang gab es dann eine weitere Übergangslösung: Ein alter Laptop mit einem kleinen Linux Programm regelte jetzt die Kochplatte.
Mittlerweile hatte ich auch eine alte leicht defekte Spülmaschine geschenkt bekommen, die ich ohne größere Modifikationen (Reparieren, Reinigen und bekleben mit dc-Fix Dekorfolie) unter dem Ceranfeld in Betrieb nahm.
Für die entgültige Steuerung habe ich dann eine Platine entworfen und direkt in das Cerankochfeld neben den Platten eingebaut.
Die Heizplatten sitzen daher auch nicht unter den Markierungen auf der Ceran-Glasscheibe.
Das rote Display leuchtet durch die Glasplatte und der Drehimpulsgeber steckt vorn in der Blende des Unterschrankes.
Eine einfache Software erlaubte nun endlich das Kochen auf allen 4 Platten. Es konnte im Display eine der Platten selektiert werden um eine gewünschte Soll-Temperatur einzustellen. Die Platte wurde daraufhin solange mit voller Leistung betrieben, bis der Temperaturfühler außerhalb des Hysterese Fensters 'zu heiß' meldete. Dann wurde abgeschaltet bis die Temperatur wieder etwas unterhalb der gewünschten gefallen war.
Die erste Zeit lief das ganze schon mal recht nett, jedoch mit einigen kleinen Unannehmlichkeiten:
Bei erster Inbetriebnahme einer bis dato ungenutzten Platte verbrannten alle Partikel, die beim Einsetzen der Glasscheibe auf dem Hof hineingerieselt waren.
Das Display war aufgrund der geriffelten Oberfläche (auf der Unterseite) leider nicht so gut lesbar.
Und gelegentlich erinnerte mich der Rauchmelder in der Küche daran, dass ich die Schnitzel auf dem Herd vergessen hatte.
Nachdem zwei Mal eindringendes Wasser auf der Platine einen bösen Kurzschluss verursacht hatte und ich mich dann nochmal um die Hardware kümmern musste, hab ich bei den Gelegenheiten auch gleich die ganze Sache verbessert:
Die ganze Schaltung bekam noch 2 Relais spendiert um sich selbst softwaremäßig ausschalten zu können und sich bei einem Druck auf den Bedienknopf wieder einzuschalten zu lassen ohne dass ich dazwischen die Sorge haben müsste, dass die Software mir aus Boshaftigkeit oder Langeweile die Hütte abfackelt.
Desweiteren habe ich die Firmware auch nochmal komplett neu geschrieben und diesmal auf eine richtige Menüführung gesetzt: Es gibt ein Hauptmenü, direkten Zugriff auf die Platten sowie einige Auto-Koch-Programme und die Option zum Ausschalten.
Zu guter Letzt habe ich dann auch noch die strukturierte Oberfläche der Glaskeramik über dem Display mit AcriFix 192 (Danke an Thomas) zugekleistert und mit einer Kunststofffolie geebnet.
Nach über 4 Jahren bin ich mit der aktuellen Lösung sogar ganz zufrieden. Kochen macht wieder Spaß, die Schnitzel verbrennen nicht mehr und ich kann beim Tee warmhalten die ganze Küche in ein wohliges rotes Licht tauchen - man sollte nur nicht direkt in die Herdplatte schauen.
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